Bunte Flecken auf der Karte

Heute sind wir mit dem Thema Europa gestartet.
Die Viertklässler waren mit Begeisterung dabei. Die riesige Europakarte wurde bestaunt und aufgeregt wurde berichtet, wo man selbst oder die Oma oder der bester Freund schon mal war. Alle Kinder waren schon mal in einem anderen Land – nur Melissa nicht. Für sie war die heutige Stunde eine sehr abstrakte Stunde. Was soll das sein? Ein Nachbarland…
Ihre weiteste Reise ging bislang in die 20 Minuten entfernte Nachbarstadt. Aber ein anderes Land? Vollkommen abstrakt. Ein Land ist für sie etwas unifarbenes, unförmiges mit mehr oder weniger unaussprechlichem Namen in der Mitte, aufgezeichnet auf einen kleinen oder großen Plan. Belgien ist einfach, Tschechien hingegen eher schwierig. Wie wir „in Deutschland“ leben sollen, wo Deutschland doch nur ein großer blauer und ausgefranster Fleck ist, ist ihr schleierhaft.

Aus der Diagnostik sind den Kindern Fantasiewörter bekannt, die sie sich möglichst gut merken müssen und dann nachsprechen sollen. Das muss heute eine ähnliche Situation gewesen sein (für einige).

Da ist es auch nicht verwunderlich, wenn es beim Lernen der Nachbarländer und ihrer Hauptstädte bei fast allen noch etwas hakt:

Südlich von Deutschland liegen Österreich und „Schw..eden“.

Östlich findet man Polen und „Tsch…iele“.

Die Hauptstadt der Schweiz heißt „Bernd“.

Das nördlichste Nachbarland Deutschlands ist „Dönermark“.

Morgen gibt es tiefere Einblicke in die Lebensgewohnheiten der Leute eines anderen europäischen Landes. Das wird sicher etwas weniger abstrakt.

Der erste Schultag & der Beginn der zweiten Ref-Hälfte

Der erste Schultag des neuen Schuljahres begann im Prinzip schon gestern abend. Nämlich damit, dass ich kaum noch Gedanken für etwas anderes hatte. Bedingt durch Gedankenkarussel und Schlafrhythmus-Umstellung zögerte ich das Einschlafen dann auch lange genug hinaus, um heute ausreichend müde in das neue Schuljahr zu starten.

Bei Twitter erfuhr ich dann auch direkt beim Aufstehen, dass sich dieser Zustand wohl bis in alle Ewigkeit halten wird – auch wenn man kein blutiger Anfänger mehr ist.

Hinreichend müde, aber gespannt, motiviert und voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Kindern, erreichte ich heute morgen mit dem Fahrrad den Schulhof.

Dort dauerte es eine gefühlte Millisekunde, bis Klasse 4 (daran muss ich mich noch gewöhnen…) so vollständig, wie sie zu dem Zeitpunkt war, noch am Fahrradständer einen freudestrahlenden Pulkknubbel um mich herum bildete und mich von allen Seiten drückte und begrüßte.

Natürlich lautstark.
Gleichzeitig begannen alle mit „Hallo Frau Koralle!!“ und machten dann jeder für sich – aber weiterhin gleichzeitig – weiter mit:

„Ich war in den Ferien in drei verschiedenen Ländern!“

„Ich war vier mal erkältet!“

„Mein Papa hat jetzt keine Arbeit mehr und sein Chef schuldet ihm 2000 € und deswegen konnten wir nicht wegfahren.“

„Meine Schwester und ich sind jeden Tag in den Ferien von morgens bis abends aus dem Haus gegangen und haben uns Verstecke gesucht. Wir sind erst abends spät zurückgekommen.“

„Ich lasse mir die Haare jetzt wieder ein bisschen wachsen. Ich habe gerade einen Rundschnitt!“

und „Meine Schwester kommt jetzt auch zu uns auf die Schule!“

Ein sehr schöner Start ins neue Schuljahr war das. Von 0 auf 100 in ein paar Sekunden. Es wurde gestaunt, getröstet und sich gefreut, bevor das ausführliche Erzählen dann auf nach dem Klingeln verschoben wurde.

Etwas geflasht, aber froh darüber, dass sich die Kinder so gefreut haben mich wiederzusehen, bereitete ich noch eine Kleinigkeit vor und wartete auf das Klingeln.
Als ich um 8:05 immer noch wartete (gemeinsam mit dem Rest des Kollegiums) bemerkten wir, dass die Klingel wohl noch Sommerferien hatte und sammelten die Kinder so ein.

Da Frau Waldmann heute nicht da war, war ich in den ersten beiden Stunden mit den Viertklässlern alleine und hörte mir eine Stunde lang die verschiedenen Ferienberichte an – die Attraktionen des Freizeitparks kann ich nun im Schlaf aufsagen, mit all ihren Besonderheiten.
Insgesamt war es aber eine sehr schöne erste Stunde. Ohne Streit. Ohne Verweigerung. Ohne Ausraster.

Und ohne Melissa, wie wir nach ein paar Minuten bemerkten.
Sie kam aber in der zweiten Stunde. Ihre Mutter hatte vergessen, dem Schultaxi die neue Adresse mitzuteilen.

Auch die zweite Stunde verlief relativ friedlich. Es wurden Ferienbilder gemalt und etwas dazu geschrieben. Von den meisten Kindern zumindest.
Julian konnte sich nämlich noch gar nicht so richtig auf das Arbeiten in der Schule einlassen. In 45 Minuten malte er ein halbes Mini-Bild und schrieb vier Wörter. Auch motivierende Worte und gemeinsames Überlegen halfen nichts.
Dafür entspann sich dieser Dialog:

„Frau Koralle, guck mal, blute ich am Kopf?“ – „Nein, Julian, da ist nix.“

Nur fünf Minuten später folgte ein: „Frau Koralle, blute ich jetzt am Kopf?“.

Ich ging zu ihm.

„Ja, Julian… Was hast du denn gemacht? Warum blutest du am Kopf?!“

„Weil ich mich mit dem Bleistift gepiekst hab.“

„Du hast dir mit dem Bleistift in den Hinterkopf gepiekst?! Wie kann das denn passieren?!“

„Weiß ich auch nicht. Mir war langweilig. Kannst du mit der Wunde was machen?“

„Nein, ich kann ja schlecht ein Pflaster auf die Haare kleben…, das lassen wir trocknen und du lässt die Finger davon!“

„Vielleicht hilft ein feuchter Lappen?“ (…)

Ich denke, da hat jemand in den Ferien zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und wollte das jetzt nachholen. Aber sich dafür gleich einen Bleistift in den Kopf zu rammen??

Da kommt wohl noch einiges auf uns zu, in diesem neuen Schuljahr.
Aber insgesamt freu ich mich drauf 🙂

Ein Tag im Zoo

Heute war endlich der große Tag.

Seit Monaten habe die Zweitklässler darauf gewartet und die Tage im Kalender abgestrichen.
Intensiv haben sie sich vorbereitet um einmal den Zoo besuchen zu können.
Für einige war es der erste Zoobesuch überhaupt.

Dementsprechend aufgeregt waren die Kleinen dann heute morgen. Alle Notfallpläne wurden noch ein letztes Mal durchgesprochen, die Notfallnummern verteilt, alle wurden noch mal aufs Klo geschickt und dann ging es los.

Die erste zu nehmende Hürde bestand in den 50 Metern Weg vom Schultor bis zur Bushaltestelle.
Ercan (doppelt so groß, doppelt so breit und doppelt so tollpatschig wie die restlichen Zeitklässler) versuchte seiner Klassenlehrerin etwas erzählen. Er drehte sich im Laufen um, winkte ihr aufgeregt zu – und landete dabei irgendwie kopfüber im Gebüsch. 30 Meter hinter dem Schultor.

Die ganze Karawane (23 Kinder und 6 Erwachsene) hielt an, bis Ercan sich wieder beruhigt hatte. Dann ging es im Gänsemarsch und nach vorne schauend weiter.

Die Busfahrt verlief reibungslos.

Im Zug wurden alle Kinder auf die verfügbaren freien Plätze verteilt. Auf Sitzplatzwünsche konnte natürlich keine Rücksicht genommen werden. Das führte dazu, dass Edna (9) neben einem wildfremden Mann saß.

Im Laufe der Fahrt fragte sie ihn erstmal, ob er eine Freundin habe.
Es gibt Dinge, die gehören geklärt…

Endlich im Zoo angelangt, waren alle Kinder hungrig, als hätten sie seit drei Tagen nichts zu essen bekommen.
Im normalen Schultag wäre ja auch längst Frühstückspause gewesen.
Also gab es ein Frühstückspicknick neben den Kamelen.
Während die Kinder ihre Energiereserven wieder auffüllten, erkundeten sie ihre direkte Umgebung:

 

Emre: „Frau Koralle, Kamele kommen aus Indien, ne?“

Frau Koralle: „Nein, aber es gibt Kamele in Ägypten. Wir können ja gleich mal gucken, wo diese hier herkommen.“

Emre: „Ach so! Die tanzen dann immer so!“ (sprach er, und machte gleichzeitig den tanzenden Ägypter)

Frau Koralle: „Die Kamele!?“

Emre: „Ja!“

 

Wir haben leider keine Kamele like an egyptian walken sehen. (Mein Kopfkino arbeitet aber immer noch auf Hochtouren und das Bild geht nicht mehr weg.)

Aber Emres Gedanken überschlugen sich aber direkt weiter, während er sein drittes Milchbrötchen aß.

 

„Frau Koralle, ich habe noch nie einen Elefanten gesehen!“

Frau Koralle: „Dann gucken wir die heute auf jeden Fall an!“

Emre: „Frau Koralle, können Elefanten platzen? Die sind immer so dick…“

 

Ich kann an dieser Stelle versichern: Alle Elefanten sind ganz geblieben.

 

Nachdem sich alle Kinder ausreichend gestärkt (und mit Süßigkeiten gedopt) hatten, konnten wir in kleinen Gruppen den Zoo erkunden. Auch andere Kleingruppen mit noch viel kleineren Kindern erkundeten den Zoo. So kam es auch, dass wir bei den Pinguinen auch ein dreijähriges Kindergartenkind im Gehege bestaunen konnten. Es war irgendwie durch die kleine Absperrung gekrabbelt und wurde von einer leicht panischen Erzieherin verfolgt.

Pinguine und Kleinkind blieben unbeschadet.

 

Dann war schon wieder Zeit für eine längere Mittagspause.
Die restlichen Süßigkeiten (und ein paar Gesundigkeiten) wurden verspeist, bevor der Spielplatz bei strahlendem Sonnenschein unsicher gemacht wurde.

Cem achtete besonders gut auf sich und cremte sein Gesicht und seinen schwarzen Jogginganzug sehr großzügig mit Sonnencreme ein.
Einen Sonnenbrand bekam er heute nicht!

Nach der Pause standen noch einige Tiere (Tiger, Giraffen, Schlangen, Affen, …) und ein Eis auf dem Programm.
Mit fortschreitender Zeit wurde sämtliche Energie drauf verwendet, endlich einen Eis-Kiosk zu finden. Den blöden Tiger hatte man schließlich schon kurz gesehen, aber immer noch kein Eis gegessen!

Mit Eis lief es sich dann leichter Richtung Giraffen und auch die anderen Tierwünsche meiner kleinen Gruppe konnten abgearbeitet werden.

Die Zeit verging sehr schnell.

Auf der Rückfahrt im Zug waren einige Kinder sehr erleichtert, als sie hörten, dass sie ruhig schlafen dürften. (Und haben das prompt getan.) Man hat dem Waggon nicht angemerkt, dass 23 Zweitklässler mitreisten.

Später im Bus fragte meine LAA-Kollegin einen Jungen aus ihrer Klasse:

„Und, was war das beste Tier?“

„Zug und Bahn!“, kam als überzeugende Antwort.

Nun denn.

Füllerkontakt

Mariella schreibt stolz mit ihrem neuen Füller. Es klappt aber noch nicht so richtig gut. Sie kratzt mit der Feder über das Papier, dass sich einem die Fußnägel hochklappen. Dementsprechend wenig Tinte erreicht überhaupt das Papier. Bevor Mariella anfangen kann, noch fester zu drücken, schreite ich ein:

„Mariella, guck mal, du hälst deinen Füller falsch herum. Die Feder muss dich angucken, dann klappt es besser.“

Sie nickt, dreht den Füller in der Hand entsprechend um und schreibt weiter. Das klappt wirklich besser.

Ein paar Minuten später hat sie eine neue Schreibaufgabe und muss den Füller wieder schreibbereit machen:

Mariella zieht die Kappe ab, hält sich den Füller auf Augenhöhe vor das Gesicht, winkt ihm zu und beginnt zu schreiben.

 

Logisch. Ich hatte ihr schließlich gesagt, dass die Feder sie angucken muss…

Ausgetickt

Die Drittklässler haben gerade einen Lauf.
Nein, nicht „die“ Drittklässler.
Abhängig von der Tagesform sind es Robin, Julian und Christian die gerade einen Lauf haben.
Sie schaffen es, täglich bis zu zwei Stunden der Unterrichtszeit zum Klären diverser Streits und körperlicher Auseinandersetzungen oder durch spontane Wut- oder Frustrationsausbrüche in Anspruch zu nehmen.
Die restlichen Kinder und alle beteiligten Lehrerinnen sind längst mehr als genervt.
Aber es scheint lange egal zu sein, ob man die Zeit nimmt, um den Streit zu klären und alle Streithähnchen wieder auf ein erträgliches Maß Adrenalin zu bringen oder ob man es sein lässt und dafür dann der Streit oder andere Störungen im Unterricht weitergehen, bis kein Unterricht mehr möglich ist.

Es wird in alle Richtungen überlegt, wie man diese Situation wieder verbessern kann, denn so kann es nicht weitergehen.
Die Zeit auf dem Schulhof morgens vor der Schule und in den Pausen wird als kritische Zeitspanne ausgemacht, in denen sich kleinere Konflikte sehr schnell hochschaukeln.

Also sitzen Julian, Robin und Christian nun regelmäßig drinnen vorm Lehrerzimmer. Morgens vor der Schule aber auch während der Pausen.

Gegen die Konflikte, die meist aus nebensächlichen Kleinigkeiten heraus entstehen, hilft es etwas.

Die Ausbrüche im Unterricht werden dadurch aber nicht weniger.

Es wird weiter in alle Richtungen „ermittelt“, wo das Problem liegen könnte. Was ist passiert, wodurch sich die Verhaltensweisen der Kinder so dramatisch verändert haben?

Einige Wochen tappen wir im Dunkeln.

Dann gibt es plötzlich einen Schwall neuer Informationen.

Julian erzählt, er wisse, dass er sich blöd verhalte. Er glaubt, es liegt daran, dass er so müde ist. Seit seine kleine Schwester vor ein paar Wochen geboren wurde, schlafe er mit seinem kleinen Bruder in einem Zimmer. Und der würde nachts ganz lange reden. Er wolle sich ja in der Schule gar nicht provozieren lassen, aber wenn er so müde ist, passiere das einfach so.

Robin erzählt, dass sein Bruder jetzt im Knast wäre. (Sein Bruder ist 15.)
Außerdem hätte sich seine Schwester mit seinem Vater gestritten und er dürfe sie und seine Nichte jetzt in der Mutter-Kind-Einrichtung nicht mehr besuchen. (Seine Schwester ist 16, ihre Tochter ist etwas älter als ein Jahr.) Das mache ihn traurig.

Christian erzählt gar nichts. Er tickt einfach weiter aus.
Es kommt zu einem Gespräch mit der Leitung seiner Wohngruppe. Christians Vater liege im Sterben und Christian weiß das. Er spricht nicht darüber. Früher, bevor er aus der Familie genommen wurde, hat er sich viel um seine vielen kleinen Geschwister gekümmert. Seine Mutter schafft das nicht alleine und der Vater ist schon lange zu schwach dazu. Jetzt ist Christian aber im Heim und die Mutter mit den vielen kleinen Geschwistern und dem sterbenden Vater alleine zuhause.

Es genügt, sich nur ganz kurz einmal in jeden der drei hineinzuversetzen.
Und man möchte auch ein bisschen austicken.

Korrekturfreuden

Lange waren bei den Zweitklässlern die Zootiere Thema. Bald besuchen wir auch einen echten Zoo, aber vorher mussten die Kinder noch einen Test zum Thema schreiben.

Insgesamt ist der Test wirklich gut ausgefallen. Alle haben sich angestrengt und scharf nachgedacht. Manchmal auch ein bisschen in die falsche Richtung. Aber das hat mir die Korrektur auch etwas erheitert.

Hier die Highlights:
Können sich Elefant und Pinguin in der freien Natur treffen?

„Ja, weil sie Freunde sind.“
oder auch
„Nein, weil der Elefant dann friert.“

Wäre das geklärt.

Und wie war das noch mal mit dem Löwen? Wo wohnt der?
„Am Südpol.“

Hm, fast.
Gut, andere Frage.

Was passiert, wenn der Löwe und das Zebra im gleichen Gehege wohnen?
„Tempfengan zebrachhümk“ (=Kämpfen dann, Zebra stirbt“)

Ein paar Kinder mussten ihre Antworten vorlesen, ich wäre von selbst nicht drauf gekommen…

„Müssen auseinander, Löwe genießt das sonst.“

Öhm, ja… 😀

Rate-Unterricht

Mathe bei den Zweitklässlern.
Edna übt gerade in ihrem Förderheft die Zahlzerlegung der „4“.
In der einen Spalte steht schon eine „3“, die andere Spalte ist noch leer.
Rechenplättchen in entsprechender Anzahl sind neben den Spalten abgebildet.
Eine Idee, was das Ergebnis dieser Aufgabe sein könnte, hat Edna nicht. Sie grübelt und grübelt.

Während ich losgehe, um echte Rechenplättchen zu holen, frage ich sie, ob sie eine Idee hat, wie viele Plättchen noch fehlen, wenn man schon drei hat, aber vier haben will.

Als ich zurückkomme meint sie: „Frau Koralle, das ist wirklich schwer zu raten!“

Blausucht

Bei den Zweitklässlern.

Die Kinder sind aufgeregt, weil sie seit dieser Woche üben, mit dem Füller zu schreiben. Stolz werden mir überall die neuen Schreibgeräte entgegengestreckt. Natürlich nicht unkommentiert. Es geht zu, wie im Bienenschwarm.

„Frau Koralle, bei mir hat der Deckel eine andere Farbe als der Stift, cool, ne?“

„Frau Koralle, morgen geht mein Papa bestimmt-vielleicht mit mir in die Stadt und kauft mir endlich auch einen Füller.“

„Darf ich mit Füller auf die einlaminierten Karten schreiben?“

„Kann ich mit dem Füller rechnen?“

 

Die Begeisterung ist riesig.
Daher ist der Schock bei den Kindern groß, als Bene plötzlich mit großen Augen verkündigt:
„Frau Koralle, mein Füller ist krank!!“

 

Der ehemals gelbe Stift – komplett blau eingefärbt. Er tropft. Benes Hände ebenfalls.

Lernerfolg heute: Patronen muss man wohl richtig feste in den Füller reinstecken…

 

Geschenkt ist geschenkt!

Die Pause ist vorbei und ich sammle die Drittklässler auf dem Schulhof ein. Es geht hoch her. Die Drittklässler sind das absolute Gegenteil der lieben und ruhigen Zweitklässler. Ich sorge für Ruhe und bin froh, dass Frau Waldmann, meine Mentorin und Klassenlehrerin der Drittklässler Pausenaufsicht hatte. So hatte sie die unsere Streithähnchen im Blick und konnte präventiv eingreifen.

Es ist also ungewohnt ruhig in der Klasse und die Kinder beißen noch mal in ihr Brot, als Frau Waldmann reinkommt.

„So“, sagt sie, „die Pause ist ja sehr schön verlaufen. Es gab gar keinen Streit, das finde ich toll. Aber eine Sache finde ich sehr komisch. Frau Feldkamp erzählte mir gerade in der Pause, dass zwei von euch zur Erstkommunion gekommen wären. Wie kann das sein, dass ich davon gar nichts weiß? Das ist doch eine große Sache und ihr hättet einen Tag freibekommen. Außerdem hätten mir sicher eure Eltern schon mal was dazu erzählt, beim letzten Elternsprechtag…“.

Aus der letzten Reihe kommt ein wütendes: „Ich behalte mein Geschenk! Geschenkt ist geschenkt. Ich geb das nicht ab!“ von Robin, dann schmeißt er seinen Kopf in seine Armen auf dem Tisch. „Ich gehe nämlich im Oktober zur Kommunion. Vielleicht.“, schluchzt er trotzig in seine Ärmel.

Ich gucke Frau Waldmann fragend an.

„Naja“, meint sie, „Frau Feldkamp hat heute in Religion Geschenke dabei gehabt. Jedes Kind, das jetzt zur Erstkommunion gegangen ist, durfte sich ein Geschenk aussuchen. – Gehst du denn schon zu einer Vorbereitung, Robin?“

„Nein. Muss ich auch nicht. Meine Mama hat gesagt, ich darf mir aussuchen, ob ich dahin gehen will, oder nicht. – Und ich habe heute ausgesucht, dass ich zur Kommunion gehe. Ich geb mein Geschenk nicht mehr her!“, sprudelt es immer noch ziemlich wütend aus Robin heraus.

„Ist hier denn jemand schon zur Kommunion gegangen?“, fragt Frau Waldmann in die Klasse.

Justus meldet sich.

„Wann denn?“, fragt Frau Waldmann irritiert.

„Naja, vor zwei Wochen und nächste Woche nochmal.“, kommt lässig von Justus zurück.

„Du warst zwei Mal zur Erstkommunion? Das kann doch gar nicht sein…. Ihr habt der Frau Feldkamp doch einen Bären aufgebunden. Ihr könnt ihr doch nicht erzählen, dass ihr zur Erstkommunion geht oder gegangen seid, nur damit ihr ein Geschenk aussuchen dürft… Das macht man doch einfach nicht. Ich finde das wirklich nicht in Ordnung.“

Weiter kommt sie nicht, denn Justus setzt zu seiner Verteidigung an:
„Aber ich war wirklich bei der Erstkommunion. Zuerst bei der von meinem Cousin, und dann noch bei der von einer Freundin!“.

 

Vokalausbruch

Kürzlich bei den Zweitklässlern.
Frau Meißner, meine Mentorin, wiederholt die Vokale mit der Klasse.

„A – E – I – O – U – wie nennt man diese Buchstaben?“

Bene: „Das sind die Könige!“

„Ja, genau, die Silbenkönige. Und wie heißt das andere Wort, das ihr dafür gelernt habt?“, fragt Frau Meißner.

Ratloses Schweigen.

Plötzlich meldet sich Jonas und ruft aufgeregt: „Ich weiß!! Das sind die Vulkane!“.